In der Szene der elektronischen Musik wird immer wieder diskutiert, ob Feiern politisch sein muss – oder ob Musik nicht einfach ein Raum sein sollte, um dem Alltag zu entkommen. Manche sagen: „Techno ist unpolitisch. Musik ist für alle.“ Und genau hier beginnt bereits das Politische.
Denn in dem Moment, in dem man sagt, „alle sollen feiern dürfen“, trifft man eine gesellschaftliche Entscheidung: über Teilhabe, über Räume, über Rechte und Respekt. Ob gewollt oder nicht – Feiern ist niemals vollständig unpolitisch. Die Frage ist nicht ob, sondern wie bewusst wir damit umgehen.
Mit Kein Hass, nur Bass haben wir uns dieser Frage gestellt – auf der Straße, im Club, im Gespräch mit anderen. Und wir haben für uns eine klare Antwort gefunden:
Wir wollen eine Szene, die offen ist, aber nicht gleichgültig. Die frei ist, aber nicht naiv. Und die ihre Grundwerte kennt – und schützt.
„Kein Hass, nur Bass“ steht für eine offene, respektvolle und diskriminierungsfreie Szene. Mit diesem Code of Conduct setzen wir ein gemeinsames Zeichen:
Clubs, Kollektive, Veranstalter:innen, DJs und alle anderen Akteur:innen, die sich diesem Projekt anschließen, verpflichten sich zu klaren Grundwerten.
Haltung ist keine Option – sie ist Voraussetzung.
Wir glauben: Awareness beginnt nicht erst, wenn etwas schiefläuft. Sie beginnt bei der Haltung, mit der wir einander begegnen – auf Partys, Demos, im Alltag.
Deshalb definieren wir mit diesem Code, was für uns Common Sense ist – und was nicht verhandelbar ist. Damit unsere Räume offen bleiben. Und sicher. Und laut.
Unsere Szene soll für alle da sein: unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, sexueller Orientierung, Alter, Beeinträchtigungen, Geldbeutel oder Szene-Insiderwissen.
Wir treten aktiv ein gegen Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus, Antisemitismus, Klassismus, Altersdiskriminierung und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – auch in Subtext, Line-ups, Booking oder Türpolitik.
Ausgrenzung ist in keiner Form tragbar.
Wer sich gegen Homophobie ausspricht, kann im selben Atemzug nicht Menschen wegen ihres Alters, Körpers, Styles oder sozialen Status von Bühnen, Bookings oder Räumen fernhalten – ohne dabei seine Glaubwürdigkeit, Integrität und Relevanz für dieses und alle damit verbundenen Themen zu verlieren.
Die einzigen, die wir ausschließen müssen, sind jene, die selbst andere ausgrenzen.
Wer Menschen auf Basis ihrer Herkunft, Identität oder Lebensrealität diskriminiert – ob offen oder subtil – stellt sich bewusst und wissentlich gegen Freiheit, Gerechtigkeit und Respekt.
Solche Haltungen sind mit unseren Grundwerten unvereinbar. Wer sich dafür entscheidet, hat sich am Ende des Tages selbst ins Abseits gestellt – und damit selbst ausgegrenzt.
Denn Haltung ist nicht beliebig. Und Vielfalt ist kein Aushandlungspunkt – sondern Voraussetzung.
Nur ein Ja ist ein Ja – alles andere ist kein Konsens. Zustimmung muss freiwillig, eindeutig und klar kommuniziert sein.
Ein Nein ist ein Nein. Ein Vielleicht ist ein Nein. Schweigen ist ein Nein.
Wir wissen: In vielen Teilen der Szene braucht es ein kollektives Umdenken – und auch ein Neulernen, was respektvolle, einvernehmliche Interaktion bedeutet.
Noch immer gilt für viele das Antanzen von hinten als legitimes Mittel zum Flirten. Doch wer ungefragt körperlich wird, überschreitet eine Grenze – auch dann, wenn es „nett gemeint“ ist.
Gerade Menschen, die introvertiert oder sozial unsicher sind, erleben solche Situationen oft als überfordernd – und sagen „Ja“, obwohl sie eigentlich „Nein“ meinen, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlen.
Deshalb setzen wir auf aufklärende Arbeit: durch Gespräche, Awareness-Material, Workshops und deutliche Kommunikation.
Konsens ist kein Party-Killer – Konsens ist das Mindset für eine Szene, in der sich alle wirklich frei fühlen können.
Menschen bestimmen selbst, was für sie übergriffig, verletzend oder diskriminierend ist. Wir hören zu. Wir nehmen ernst. Wir stehen parteilich an der Seite der Betroffenen. Es ist nicht an uns, zu bewerten oder zu relativieren.
Grenzverletzungen, Diskriminierung oder Übergriffe sind oft nicht laut, nicht offensichtlich – und nicht immer für Außenstehende sofort nachvollziehbar. Was für die eine Person wie ein lockerer Spruch wirkt, kann für eine andere eine klare Grenzüberschreitung oder Machtdemonstration sein. Gefühle von Unwohlsein oder Bedrohung lassen sich nicht objektiv messen – aber sie sind real.
Oftmals ist der Person, die die Grenze überschreitet, gar nicht bewusst, dass sie gerade eine Grenze verletzt hat.
Genau deshalb ist es so wichtig, Betroffene ernst zu nehmen – auch wenn das Gegenüber es „nicht so gemeint“ hat.
Denn Absicht schützt nicht vor Wirkung.
Deshalb gilt für uns: Die betroffene Person hat das Recht, selbst zu definieren, was übergriffig oder verletzend war.
Diese Definitionsmacht ist kein Angriff auf Mitmenschen. Sie ist im Kontext von Awareness auf unsren Veranstaltungen ein wichtiger Schutzmechanismus für die, die in der Situation weniger Macht haben und das Orga-Team auf Probleme hinweist. Sie stellt sicher, dass Betroffene ernst genommen und nicht zum zweiten Mal verletzt werden – durch Zweifel, Abwiegeln oder Relativierung.
Wir entwickeln Konzepte, um Räume zu schaffen, in denen sich Menschen sicher, respektiert und gesehen fühlen können. Dabei denken wir bestehende Strukturen neu und erarbeiten gemeinsam Lösungen, die auf unsere jeweiligen Veranstaltungsformate passen.
Je nach vorhandenen Ressourcen – ob zeitlich, finanziell oder personell – setzen wir diese Konzepte nach und nach um. Dazu gehören unter anderem:
Sichtbare Awareness-Teams oder klar benannte Ansprechpersonen
Rückzugsorte oder ruhige Zonen
Niedrigschwellige Kommunikation (z. B. per Schild, QR-Code, Awareness-Flyer)
Schulungen für Bar, Security, Tür und Crew
Wir wissen: Awareness ist kein Trend, sondern Teil von verantwortungsvollem Kulturmanagement in der elektronischen Musik- und Veranstaltungsszene.
Auch wenn dieser Weg Zeit und Geld kostet – wir gehen ihn.
Wir bilden uns und unsere Teams fort, wir reflektieren, wir justieren nach. Schritt für Schritt, aber mit klarer Haltung.
Awareness ist ein Prozess. Und wir nehmen ihn ernst.
Als Akteur:innen der Club-, Nacht- und Partyszene tragen wir Verantwortung für das, was in unseren Räumen passiert.
Awareness bedeutet nicht nur reagieren, wenn etwas passiert, sondern Strukturen schaffen, die Probleme frühzeitig sichtbar machen und verändern helfen.
Wir schauen nicht weg, wir handeln im Rahmen unserer Möglichkeiten – mit klarem Kompass und solidarischer Haltung.
Wir schaffen Raum für Kritik, Reflexion und Weiterentwicklung – in unseren Teams, in unserer Kommunikation, in unseren Veranstaltungen.
Wir wissen: Fehler passieren. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen.
Wir glauben an die Kraft des Dazulernens, an ehrliche Gespräche, an Entwicklung statt Verurteilung.
Wer Feedback bekommt, hört zu. Wer Verantwortung übernimmt, wird nicht ausgeschlossen – sondern ernst genommen.
Awareness ist ein Prozess. Und Verantwortung endet nicht am DJ-Pult, am Einlass oder am Ende einer Veranstaltung.
Wir tragen sie gemeinsam – und wachsen daran.
Mit diesem Code of Conduct erklären wir:
✅ Wir verpflichten uns zu einem respektvollen, diskriminierungsfreien Umgang miteinander.
✅ Wir machen Awareness zu einem aktiven Teil unserer Arbeit.
✅ Wir setzen uns für Räume ein, in denen alle Menschen sicher, frei und mit Freude feiern können.
Wir zeigen Haltung. Und wir wissen: Kein Hass, nur Bass ist nicht nur ein Slogan – es ist ein Versprechen.
Wenn du Teil der Club-, Nacht- und Partyszene oder der Szene der elektronischen Musik bist – als DJ, Veranstalter:in, Club, Label, Bookingagentur oder Crew –
und du dich mit diesen Werten identifizierst, dann unterschreib symbolisch diesen Code, zeig Haltung auf deiner Website, in deinen Räumen oder über deine Kanäle – oder komm direkt mit uns ins Gespräch:
👉 www.keinhassnurbass.org/kontakt
👉 #KeinHassNurBass #AwarenessImClub
Alle Unterzeichnenden werden auf dieser Website gelistet – als Zeichen gemeinsamer Verantwortung und solidarischer Haltung.
Mit der Unterzeichnung erhältst du außerdem die Erlaubnis, die offiziellen „Kein Hass, nur Bass“-Logos und Awareness-Grafiken für Print- und Online-Publikationen zu nutzen.
Mehr Infos dazu findest du im Bereich 👉 KHNB-Grafiken
Kein Hass, nur Bass ist mehr als Musik – es ist ein Netzwerk, eine Haltung und eine Einladung, gemeinsam etwas zu bewegen.